Flaute, Sonne und Star Wars auf der Ostee

Flaute, Sonne und Star Wars auf der Ostee

28. August 2019 0 Von Matthias Heislitz

Heute sind wir bereits den 3. Tag unterwegs. Mit jeder Seemeile werden wir ruhiger, vertrauter und gelassener. Ja, Langstreckensegeln ist die beste Therapie für: “Ich muss mal Abstand nehmen und mal vom täglichen Stress runterkommen.”

Sicherlich gibt es hier an Bord auch Situationen, die mal kurzfristig für Stress oder für Auflockerung des Bordalltages sorgen. 

Die letzte Nacht war zwar nicht so sternenspektakulär wie die Erste, aber es gab genügend Verkehr in der Milchstraße. Zum Glück haben wir nicht annähernd so viel Verkehr. So bleibt die Nacht ruhig. Auch meine Mannschaft hat sich erstklassig am Wachdienst beteiligt. Beate und Kalli haben sich die Nachschichten geteilt und ich war auf Bereitschaft.

Einmal musste ich in der Nacht aufs Vorschiff, um unsere Leinenführung zu ändern. Ausgerüstet mit Rettungsweste, Lifefbelt und Stirnlampe haben wir das Manöver sicher durchgeführt. 

Wir genießen heute die Fahrt, denn bis auf 8 SM konnten wir alles perfekt segeln.

Um die Mittagzeit sind wir mit unserem bunten Genacker Schmetterling gesegelt: das Vorsegel auf Backbord (links), das Großsegel auf Steuerbord (rechts).

Bei achterlichen Wind ist das phantastisch.

Ab Stockholm sind wir schon 310 SM gesegelt. 124 Seemeilen liegen noch vor uns. Das Wetter ist traumhaft, wir segeln barfuß mit Käppi und Sonnenbrille. Nachdem wir den ersten Tag uns jede Seemeile auf dem Weg erkämpfen mussten, ist es seit gestern fast ein Kinderspiel – zumindest macht es viel Freude. Den Wind spüren wir kaum, da wir ja mit dem Wind segeln.

Ich habe große Freude mit meiner Logbuch App. Heute habe ich den Zugang zu einer weiteren Beta Version bekommen. Das funktioniert einfach genial.

Am Abend mache ich es mir heute mal als erstes bequem, denn in der Nacht werde ich gebraucht, wir passieren 2 Schiffahrtswege, und Verkehr gibt es hier genügend!

Dass ich allerdings so früh gebraucht werde, hätte ich jetzt auch nicht gedacht. Zuerst kam Beate und fragte, ob es nicht besser ist, die Segel zu verkleinern. Gut, Bereitschaft bedeutet bereit zu sein. Also mal kurz im Schlafdress raus ins Cockpit und das Segel-Setup verkleinern.

Ganz schnell bin ich in meine ruhevolle Traumwelt eingeschlafen (ich habe so einen aktiven Kopfhörer mit Rauschunterdrückung). Damit lässt es sich traumhaft schlummern, vorausgesetzt du kannst dich auf deine Mannschaft verlassen, denn mit dem Kopfhörer schaukelst du in deiner eigenen Traumwelt, herrlich zum Kraft tanken.

Kurz nachdem ich meine Stirnlampe ausgemacht habe und mein Buch zur Seite gelegt habe, schlägt Beate Alarm. Ich halte meinen Kopf kurz raus, dann wieder rein ins Schiff, Segelhose, Segeljacke und Rettungsweste an und raus.

Die Nacht ist rabenschwarz und Blitze machen die Nacht immer wieder kurz taghell.  Um uns herum donnert und blitzt es, was das Zeug hält.

Das ist wie Star Wars auf der Ostsee.  Die Winde drehen in alle Richtungen, man weiß gar nicht, wohin man als nächstes segeln kann. Nach 2 Stunden ist der Spuk vorbei. Die Sterne leuchten wieder, und der Wind bläst uns dem Ziel entgegen. Jetzt aber mit bis zu Windstärke 6. Die Rauschefahrt geht weiter. Müdigkeit hat hier kaum eine Chance, um uns herum sind hunderte von Lichter, unzählige Frachter und Fähren. Gut, man hat dadurch wenigstens nicht das Gefühl alleine zu sein

Logbuch Ostsee
Die roten Flecken sind die Gewitterzellen direkt bei uns

Von 4:00 – 5:00 Uhr bekomme ich eine Stunde Schlaf, dann noch um Gedser herum steuern und Beate aus Ihren Träumen wecken.  Aufwachen Reise, Reise Matrosen.

Kalli und ich sind nun reif für die Koje. Um 9:00 Uhr kommt wieder Leben ins Schiff. Die Mannschaft ist wieder vollzählig im Cockpit, frühstücken und dann Schiff putzen. Nun segeln wir mit Genacker und 7 Knoten Kiel entgegen. Danke an meine Mannschaft und an alle, die uns unterstützt und mit Gedanken bewacht haben.

Samstag geht es dann weiter durch den Nord-Ostseekanal.

Ahoi
Matthias